Komplimente

..hab ich in den letzten Tagen bekommen, zugegeben – es waren ungewöhnliche.

In Gesprächen mit mir liefen bei Freundinnen, zwei ganz starken Frauen, vollkommen unvermittelt Tränen. Von der einen ganz sicher, von der zweiten nicht hundertprozentig, weiß ich, daß sie ihre Maske, ihren Schutz, nur bei tiefem Vertrautsein miteinander ablegen.

V war es, die nicht nur heute, sondern schon zu mehreren Gelegenheiten ihren Panzer abgelegt hat,  mir einen Blick auf Seiten von ihr erlaubt, die – so glaube ich sagen zu können – bisher niemand anderer hat sehen dürfen. Ein Kompliment.

Ebenso war es gestern. M habe ich nach mehreren Monaten das erste Mal wieder getroffen, zum Essen auf dem Markt. Waren wir dort noch zu fünft, hat sie mich zu sich eingeladen, gemeinsam einen Tee zu trinken, miteinander zu sprechen, über unseren Alltag zu erzählen. Ihr wie mir hat es wirklich gut getan. Irgendwann sagte sie, sie sei angestrengt, über sich zu sprechen, koste sie ungemein Kraft. Das kenne ich ja nun aus eigener Erfahrung sehr gut, und so habe ich mich auf den Abschied vorbereitet. Gerade auf dem Absatz, um Richtung Treppenhaus zu starten,  nahm sie mich in den Arm und ließ Tränen laufen. In die hinein sagte sie, daß sie dankbar sei, daß ich ihr zugehört habe und mich darauf eingelassen habe, mich zurückzunehmen, sie nicht zu überfordern.

Verabschiedet haben wie uns wie Inuit untereinander, Nase an Nase. Ebenso ein Kompliment.

 

Neubewertung

Das gilt offenbar nicht nur für mich, auch andere Leute haben einen Alltag, um den ich sie nicht beneide. Seit dem ersten Augustwochenende habe ich täglich Kontakt mit der Belgierin.

Am Wochenende des 72. Geburtstags meiner Mutter – wir haben ihn nicht zusammen verbracht – habe ich sie das erste Mal getroffen, sie mittlerweile einige Male gesehen und unterstützt. Hatte ich meinen Alltag schon für sehr schräg, ungeordnet, teils ein Chaos gehalten, so darf ich mittlerweile festhalten, daß mein Leben und Alltag traumhaft geordnet ist.

Beim letzten Besuch an der Mosel habe ich, haben wir erleben können, was mit mir passiert, geht diese Ordnung verloren. Dann schlagen die Symptome meiner Depression richtig durch. Beherrsche ich die deutsche Sprache eigentlich ganz passabel, so war es an dem Wochenende so, daß ich kurzzeitig verstummt bin, einzig unsere wirklich tiefe Vertrautheit und unser Vertrauen zueinander hat mich meine Stimme wiederfinden lassen.

Verstummt bin ich ob des Stresses, der von außen auf V einprasselte und damit auch mich traf. Ich bin es halt nicht gewohnt, daß Kommunikation von Personen aus ihrem Umfeld nur kreischend funktioniert und versucht wird, mit roher Gewalt die Haustür einzutreten, wenn Kommunikation abgebrochen werden muss. Ebenso konnte ich mir bisher nicht vorstellen, daß es mir bekannten Personen absolut keine Probleme bereitet, V ein Glas durchs Gesicht zu ziehen. Die Narbe in ihrem Gesicht – ein Überbleibsel der Not – OP wird sie noch lange Zeit daran erinnern.

Da erscheint, daß ihre Vermieterin es seit fast 14 Tagen nicht hinbekommt, den Öltank wieder aufzufüllen, fast schon wie eine Farce.

Was bin ich froh, daß mein Alltag so geordnet und vielleicht auch langweilig sein kann. Ich werde nie meine Zusage, sie zu unterstützen zurückziehen. Das werde ich nie tun. Das geht unter Freunden einfach nicht; zumal sie es gesundheitlich einfach nicht hinbekäme.

Lebenszeichen

Die letzten Tage und Wochen waren einfach voll, ein Auf und Ab, einige Dinge darunter, die ich so noch nie erlebt habe*, doch das Wichtige ist: Ich starte mit einem Lächeln in den Tag.


* In den nächsten Tagen versuche ich, die Dinge in Worte zu fassen.

94th

Heute wäre sein 94. Geburtstag. Ich, nein, wir alle müssen leider schon seit einigen Jahren auf ihn verzichten.

Vielleicht bekommen meine Familienmitglieder bei IHM ja jetzt Konzerte mit Stücken wie diesem hier.

Erleichterung

Sie macht sich seit gestern bei mir breit, kriecht sanft durch jede meiner Poren.

Ich habe es mit Ruhe und Konsequenz tatsächlich binnen knapp zweier Wochen geschafft, für eine Freundin im Landkreis Cochem eine Wohnung zu finden.

Ich habe ihr diesen Dienst getan, da sie zum einen gesundheitlich dazu momentan nicht in der Lage ist, und, zum anderen, weil ich sie einfach mag. Wir haben in der Zeit, die wir momentan in Kontakt sind, einfach wahnsinnig gute Gespräche geführt, Probleme gemeinsam gelöst.

Sie war und ist für mich da rund um den Tod meiner Mama, wir haben bereits einige lange Telefonate geführt. Zudem sind wir beide einfach musikverrückt. Viele unserer Botschaften erfahren wir voneinander durch Musikvideos, die als Ergänzungen zu unseren manchmal nur kurzen Gesprächen ganz eigenen Bedeutungen bekommen. Das tut ihr wie mir einfach gut. Noch gestern hat sie es erwähnt.

Heute nach meiner Alexianer- Zeit starte ich zu ihr, gebe etwas von dem zurück, was ich bekomme.

Hohe Luft – Frage 9

Sehen wir nur, was wir kennen?

Im Moment spielt Musik in meinem Alltag eine noch viel größere Rolle, als sie es in den Jahren und Jahrzehnten zuvor getan hat. Jetzt schafft sie es, neben der Therapie und Arbeit, mir inneren Rhythmus zu geben, Texte lenken meine Gedanken um und das gemeinsame Interesse an der Musik im musikalischen Irrenhaus holt neben den so ungefilterten Kontakten zu meinen Kollegen mit großer Sicherheit mein Lächeln zurück aufs Gesicht und in Gedanken. Auch lerne ich dort neue Menschen kennen, die Geschichten hinter den geposteten Liedern und noch einiges mehr.

Diejenigen, die ich bisher persönlich habe kennenlernen können, sind eine Bereicherung für mich, auch tut es unglaublich gut, ungekünstelte und ehrliche Gespräche führen zu können.

In der Gruppe sehe ich eben nicht nur, was ich kenne, der gemeinsame Nenner ist eben Musik, mit all‘ ihren Ausprägungen. Dort bin ich das erste Mal auf Antidepressiva gestoßen, fange gerade an, mich in ihre Lieder hineinzuhören.

Wie bei mir für den speziellen Bereich der Musik gilt es meiner Meinung nach auch allgemein. Wir nehmen all‘ das wahr, sehen all‘ das, was ähnlich zu unserem bisherigen Erfahrungsschatz ist. Zum einen zeigt ein Vergleich des neuen immer Ähnlichkeiten mit Vertrautem, was Sicherheit bietet, uns ein Reaktionsmuster zur Verfügung steht, welches an die Unterschiede angepasst werden kann.

Passiert es, daß man mit etwas vollkommen neuem konfrontiert wird, so kann und muß man sich darauf einstellen. Muß es spontan passieren, dann beinhaltet das eine nicht zu mißachtende Fehlerquelle. Es fehlt schlicht die Zeit, abzuwägen.

Es müssen neue Reaktionsmuster entstehen, plötzlich und spontan. Man wird genötigt, wahrzunehmen und Position zu beziehen.

Eines der Grundprinzipien dieses Prozesses beschreibt dieses Buch:

Ein tolles Basiswerk. Es hat riesig Spaß gemacht, es zu lesen.

Rückhalt…

…. bietet mein Gerüst in den Wochen und Monaten, die meine Mutter jetzt bereits fehlt.

Und ich merke, wo und wie, wer wirklich Freunde sind, mich und meine Tränen aushalten, mich unterstützen, Gedanken zu sortieren, mir einfach mal zuhören.

Das ist und ihr seid mir sehr viel wert.

Regelmäßigkeit

Sie ist mir im Moment eine große Stütze.

Jeden Morgen zu wissen, ich kann wieder zu meinen Leuten, an meinen Platz unter der Gruppe, die – im positiven Sinne – ein wenig bluna sind, tut mir unglaublich gut. Die Gedanken an meine Mutter, an meine Familie beschäftigen mich immer – sie ziehen mich nicht runter, doch kosten sie mich Kraft. Wie in den ersten Tagen danach, bin ich dahin zurückgekehrt, gute acht Stunden statt der vereinbarten 6 Stunden, dort zu sein. Das Leben dort, die unterschiedlichen Charaktere meiner Therapiekollegen, ihre Schrullen und die positiven Rückmeldungen für das, was ich dort tue und wer ich bin, sind für mich eine wichtiger Teil meines Gerüstes.

Ich habe einen guten Draht zu den wenigen Schwerstmehrfachbehinderten in unserer Gruppe, sie springen irgendwie auf mich an und lassen sich von mir in den Arbeitsablauf einbinden, motivieren und haben Spaß an dem, was wir miteinander schaffen. Das wird mir honoriert – mein Gruppenleiter hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, in der Fördergruppe ein Praktikum zu machen.

Die Idee reizt mich zwar, doch der Respekt davor bleibt. Gerne unterstütze ich meine Kollegen, doch sehe ich das Risiko, daß ich in der Begeisterung dafür kippen könnte, erst recht dann, wenn die Unterstützung zur Arbeit meine vorrangige Sache werden muss.

Das mag ich nicht. Die Regelmäßigkeit unserer Aufgaben ist mir noch zu bedeutsam.

Ritual….

….ist mir mein Freitag Mittag seit 2014 geworden. Nach meinem Therapietag treffe ich regelmäßig meine ambulante Begleiterin, die zum BeWo der Alexianer gehört.

Wir nehmen uns 45 – 60 min Zeit, die letzten sieben Tage Revue passieren zu lassen. Zu allererst lasse ich es einfach sprudeln, das, was mich in meiner Arbeits-, Therapie- und privaten Woche bewegt, berührt und auch mal geschockt und geärgert hat. Versteht sie etwas nicht auf Anhieb, stellt sie passende Fragen, lenkt meinen Bericht.

Ich habe nach diesen Gesprächen das Gefühl, die Woche abgelegt zu haben, Druck, der zurückgeblieben war, ablassen zu können. Das macht es mir möglich, in den Dingen, die mir am Wochenende begegnen und geschehen, Entspannung zu finden.

Sei es, daß ich über den Wochenmarkt streife, um dort zu Mittag zu essen, sei es, daß ich tatsächlich schlafe oder sei es – wie letztes Wochenende – der Besuch bei Freunden und die Zeit mit ihnen, ich finde darin Ruhe und wirkliche Entspannung.

Auch Ruhe bringen mir immer wieder Ich-Zeiten, die ich für mich gestalte, sei es lesend, Fahrrad fahrend oder auch Gelegenheiten, zu denen ich bewußt entscheide, jemanden in meine Welt hinein zu lassen, so wie gestern, mehrere Stunden Messenger- & WhatsApp- Gespräch. Umso schöner ist es, wenn auch mir eine Tür geöffnet wird.

Danke, Chef.

Das Musikalische Irrenhaus….

…. ist eine Facebook-Gruppe, in der ich seit einiger Zeit gerne und viel aktiv bin. Schon seit mehreren Jahren existiert sie.

Warum erzähle ich das?

Ich erzähle und schreibe es hier auf, zum einen,weil sie für euch vielleicht auch interessant ist, zum anderen, weil ein Teil der Gruppe am letzten Wochenende für mich ganz wichtig war und bleiben wird.

Der 3.August wäre der 72. Geburtstag meiner Mama gewesen, und ich hatte Angst, über diesen Tag allein zu sein. Diese Angst hatte ich aber nicht nur um mich, sondern insbesondere um meinen Vater.

Der Fortgang des Lebens hat dazu geführt, daß er bis heute und noch einige Tage beim Umzug ins und der Renovierung des neuen Hauses meiner Schwester in Lübeck aktiv sein kann und Leben um sich hat.

Meine ältere Schwester war über das Wochenende bereits in ihren Familienurlaub an der holländischen See gestartet, so daß ich am Freitag nach der Kaffeerunde per Zug an die Mosel starten konnte.

Sie wohnen gemeinsam in einer WG. Wir haben uns jetzt das erste Mal getroffen, Gespräche begonnen, noch längst nicht beendet,Musik gehört, selbst gemacht und Projekte besprochen und gestartet.

Gemeinsam Gladbach – Chelsea zu sehen, zu kochen, zu lachen, zu singen und auch zu schweigen – das war ein guter Weg, den Geburtstag meiner Mutter zu begehen.

Ich habe mich wohl und gut aufgehoben gefühlt.

Hohe Luft – Frage 8

Warum begreifen wir manches nie?

Um Dinge begreifen zu können, ist ein Zugang notwendig. Dieser wiederum hat unterschiedliche Bedingungen zur Voraussetzung.

Erste Bedingung ist die menschliche Begrenztheit, unabhängig von der individuellen Intelligenz.
Der Mensch ist eben in der Lage, in vier Dimensionen sinnvoll und intuitiv zu denken, Strecke, Fläche, Raum und Zeit, mehr nicht. Abstrakt läßt sich auch in n Dimensionen denken, doch ist die Gruppe von Personen, die dazu in der Lage ist, exklusiv.

Dieser Grundgedanke der Exklusivität findet sich in leicht abgewandelten Formen in unterschiedlichsten Alltagszusammenhängen. Darüberhinaus kommen mir noch zwei weitere Aspekte in den Sinn, die in Zusammenhang mit Talent und Disziplin stehen.

Das Gleichnis von den Talenten

14 Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.

15 Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort

16 ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu.

17 Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu.

18 Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

19 Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen.

20 Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.

21 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

22 Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.

23 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

24 Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast.

25 weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine.

26 Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.

27 Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

28 Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!

29 Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

30 Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

In diesem, noch einigermaßen geläufigen Gleichnis werden Grundwahrheiten benannt, die meiner Meinung nach auch Bedeutung bekommen bei der Antwort auf diese Frage.

Talente werden nicht erworben, ich sehe sie als Geschenk von IHM. Woher sie kommen, mag jeder für sich selbst deuten, doch ist es ja offensichtlich, daß jede/r eine andere, eben eine eigene Ausstattung bekommen hat. Ebenso individuell ist die jeweils eigene Art des Umgangs mit den eigenen Talenten. Ist eines kaum oder gar gar nicht ausgeprägt, lässt es sich möglicherweise durch Training und damit verbundener Disziplin nutzbar machen und gewinnbringend einsetzen.

Diesen Zusammenhang sehe ich analog auch beim Wissenserwerb. Manches ist einem sehr leicht zugänglich – mir z.B. Fremdsprachen – anderes bleibt einem immer böhmisches Dorf. Ich bewege mich durch die Chemie bis heute wie in einem ebensolchen. 😉 Im Normalfall bewegt sich jeder von uns in allen Bereichen zwischen diesen Extremen und ist in der Lage, sich auf dieser Erkenntnisleiter nach oben zu bewegen, je nachdem, welchem der Diener wir es gleich tun. Der Erfolg liegt hier in der eigenen Hand.

Anders verhält es sich mit dem kulturellen Zusammenhang, in den jeder von uns hineingeboren wird. Dabei denke ich sowohl an den privaten wie auch den öffentlichen Zusammenhang.

Im privaten Zusammenhang finden sich meiner Meinung nach die enge wie weitere Familie und ihre Bräuche und Rituale. Darüber hinaus ordne ich diesem Zusammenhang auch Schule, Beruf, Freundes- & Bekanntenkreis zu, denn in allen Situationen entstehen mehr oder minder intensive persönliche Kontakte. Ich teile mit all‘ jenen Personen einen breiten Erfahrungshorizont, dessen Grundüberzeugungen sehr nah beieinander liegen. Erst das macht einen gemeinsamen, nicht allzu konfliktträchtigen Alltag miteinander möglich. Schon in diesem noch gerade übersichtlichen Feld können Konflikte entstehen, die Arbeit und manchmal Hilfe von außen notwendig machen.

Ungleich größer wird dieses Risiko, wenn Einzelpersonen oder Gruppen aufeinander treffen, deren private Zusammenhänge kaum oder gar keine Überschneidungspunkte haben. Daraus entstehen zwangsläufig Konflikte unterschiedlichster Intensität, die soweit führen können, daß ein gemeinsamer Alltag nicht möglich wird.

Dann und darum verstehen wir manches nie.

Schlußendlich entscheidend bleibt aber:

Bin ich offen und bereit, etwas neues, mir völlig fremdes, überhaupt verstehen zu wollen?

Miteinander verbunden…

…habe ich heute das Schöne mit dem Praktischen.

Vor ihrem Umzug sind meine kleine Schwester mit ihrer Familie, ebenso auch meine ältere Schwester mit meinen beiden ältesten Nichten im Haus meiner Eltern. Die alte Wohnung in Rheinland ist nahezu leer.

So haben wir heute gemeinsam den 5. Geburtstag meiner vierten Nichte gefeiert, eine Eisbombe fast komplett verdrückt. Die übrigen sind danach noch zu einem Überraschungsbesuch auf einem Pony-Freizeithof gestartet. Ich hoffe, es hat ihnen Spaß gemacht. Das kann ich persönlich leider nicht sagen, denn sowohl meine Kopfschmerzen als auch ein Termin beim Neurologen – ich brauchte ein Folgerezept – haben es verhindert, sie zu begleiten.

Ich liebe Zeit mit meiner Familie, unterstütze sie – insbesondere unseren Vater – wo und wie ich kann nach Kräften.

Nötigung…

…. war das, dieses Wetter.

Es hat mich dazu genötigt, den Ausgang auf das nötigste zu beschränken. Mit einem Tag Unterbrechung habe ich trotzdem die Zeit in der Werkstatt durchgestanden und gestaltet.

Darauf bin ich stolz; die Entspannung habe ich durch langen Schlaf und Lektüre erreicht. Daß das gelingt, habe ich von mir nicht erwartet.

Zur späteren Stunde höre ich gerade

1000 Fragen an mich Selbst – Part C

991. Was macht dich richtig zufrieden?

Im römisch – katholischen Gottesdienst gibt es ein Bekenntnis.

Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

An dieser Stelle erfasst mich regelmäßig eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit. Ich bin aufgefangen und angenommen, so wie ich bin.

992. Was ist das schönste Geschenk, das du jemals bekommen hast?

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Das ist Benny. Ihn habe ich zu meiner Taufe von meinem Patenonkel geschenkt bekommen. Noch heute ist er meine Kopfstütze im Bett, wenn ich lese. Benny ist also gute 41 Jahre alt.

993. Zu wem hast du blindes Vertrauen?

Zu meiner Familie und sehr wenigen wirklichen Freunden habe ich ganz tiefes Vertrauen. Derjenige, den ich mal meinen besten Freund genannt habe, hat es sehr heftig enttäuscht und spielt in meinem Leben heute keine Rolle mehr.

994. Was hast du mal ähnlich wie ein warmes Bad empfunden?

Meinen nackten Sprung in den Schnee vor mehr als zwei Jahrzehnten – der tat richtig gut und sorgte im Nachhinein für wohlige Wärme.

995. Was ist das Spannendste, das du jemals erlebt hast?

So kindlich begeisterungsfähig wie ich mit 12 Jahren war, war es der Besuch vom Kennedy Space Center während unseres Familienurlaubs bei der ältesten Schwester meines Vaters.

996. Was ist ein großer Trost?

Mein Glaube an IHN und SEINEN Sohn haben mich schon oft getröstet, wieder aufgerichtet und meinen Weg weitergehen lassen, insbesondere jetzt gerade, nach dem Selbstmord meiner Mama.

997. Wovon hast du gedacht, dass du es nie können würdest?

Seit meiner Kindheit habe ich mich – bis heute – für Autos begeistert, da ich der festen Überzeugung war, daß meine körperliche Einschränkung es unmöglich machen würde.

Mit den modernen Hilfsmitteln habe ich über 15 Jahre mit Autos am Verkehr teilgenommen, verzichte heute freiwillig darauf.

998. Was kannst du heute noch ändern?

Alles, auf das ich Einfluß nehmen kann, bietet die Möglichkeit, es zu entwickeln.

999. Wie wird dein Leben in zehn Jahren aussehen?

Spekulative Frage. Es müsste wohl eher lauten: „Wie würde ich es mir wünschen?“.

Gerne darf es im Alltag ähnlich wie heute aussehen. Wunderbar wäre es, wenn ich durch eine Partnerin und vielleicht eigene Kinder ergänzt wäre

1000. Welche Antwort hat dich am meisten überrascht?

Überraschend mag ich es nicht nennen, vielmehr einfach interessant und herausfordernd. Ich beschäftige mich gerne mit eigenen Gedanken und mir.

Seelenamt

Schön gestern bin ich per Bus zu meinem Vater gefahren, habe ihn, meine ältere Schwester und die beiden ältesten meiner Nichten getroffen.

Heute morgen im Hochamt haben wir gemeinsam mit einem Teil unserer großen Familie, Nachbarn und Freunden an Mama erinnert.

Besonders gut getan hat es mir, gemeinsam mit ihnen zu unserem Erinnerungsort zu gehen und zu merken, wer alles uns, insbesondere Papa, unterstützt.

Im Gegenzug unterstützen wir meine kleine Schwester, die keine Gelegenheit hatte, da zu sein, da ein Umzug aus dem Rheinland nach Lübeck ansteht zu Anfang August, am Geburtstag unserer Mama. Sie trifft mit ihrem Mann die Vorbereitungen. Ab morgen wird mein Vater sie unterstützen, er ist heute nach einem gemeinsamen Mittagessen zu ihnen gestartet und gut angekommen.

Einfach gut.

1000 Fragen an mich Selbst – Part XCIX

981. Wie sieht dein Auto innen aus?

Solange ich ein Auto besessen und gefahren habe, war einfach zu erkennen, daß ich Linkshänder bin. Alles, was nicht hineingehört hätte, war links von mir im Fußraum und in den Seitenfächern verteilt. Rechts war alles nahezu clean.

Auch mein Fahrrad ist sehr linkslastig eingerichtet.

982. Hast du in den letzten fünf Jahren neue Freundschaften geschlossen?

Ja, denn diese 5 Jahre sind genau die, die ich bisher im Alexianer-Universum verbracht habe. In diesen Jahren sind einige gute Bekanntschaften entstanden. Enge Freundschaft ist mit vieren entstanden.

983. Wer bist du, wenn niemand zuschaut?

Ich bin und bleibe ich. Ich habe Schauspielern aufgegeben. Das kostet mir schlicht zu viel Kraft.

984. Welche inneren Widersprüche hast du?

In manchen Momenten mag ich noch immer meine Einschränkungen nicht akzeptieren, tue mich sehr schwer damit, manche Dinge einfach nicht tun zu können.

Es sind aber Luxusprobleme, denn keins der Dinge ist alltagsentscheidend, es wären zusätzliche Hobbies wie zum Beispiel Inlineskaten.

Diese Grenzen hat meine Mutter immer Schutzengel genannt.

985. Wann warst du über dich selbst erstaunt?

In den Tagen nach dem Tod meiner Mutter war und bin ich noch immer sehr alltagsstabil. Ich hatte während des ersten Telefonats eine völlig andere Befürchtung.

986. Leihst du gern Sachen aus?

Ich bin seit der Geschichte, die in meine Privatinsolvenz führte, sehr vorsichtig geworden. Ich verleihe kaum noch, für mich beschränkt es sich auf wenige Bücher.

987. Bist du auf dem richtigen Weg?

Ja. Seit meinem Klinikjahr werde ich immer stabiler, bekomme einen sicheren Stand, so daß ich mich wieder selbstsicher neu orientieren kann. Gerade sehe ich mittelfristig die Chance, umzuziehen.

988. Wie lautet dein Kosename für deinen Partner?

Ich habe im Moment keine persönliche Ergänzung zu mir, so gibt es auch keinen Spitznamen.

989. Bei wem hast du immer ein gutes Gefühl?

Bei meiner Familie, da geht nichts drüber.

990. Wie zeigst du anderen, dass sie für dich wertvoll sind?

Ich verbringe gerne Zeit mit ihnen, führe Gespräche, die sich nicht beim Wetter erschöpfen.

Erleichtert

Ich bin froh um das Gespräch, welches mein Vater momentan führen darf. Heute hat er mit dem ihm vertrauten Pfarrer ein offenbar sehr gutes geführt und sich entschieden, eine 4-Augen-Trauerbegleitung zu beginnen.

Umso besser ist es, daß ihm das Gegenüber aus seiner Zeit als Lehrer bekannt ist. Es ist die Mutter einer der Schülerinnen seiner letzten Klasse, deren Klassenleitung er hatte.

Ich bin einfach erleichtert.

1000 Fragen an mich Selbst – Part XCVIII

971. Malst du dir manchmal aus, wie es wäre, berühmt zu sein?

Allein den Gedanken finde ich schon absurd. Ich bin froh, wenn ich

972. Welches Museum hast du in letzter Zeit besucht?

Das Picasso-Museum hier in Münster war das letzte, welches ich besucht habe.

973. Experimentierst du gern beim Kochen?

Ja, das mache ich gerne. Das hängt aber am ehesten mit manch planlosem Einkaufen zusammen und dann dem Beschluss: Daraus wird etwas Leckeres 😉

974. Wie wichtig sind Frauen in deinem Leben?

Ich bin froh, daß es euch gibt.

975. Machst du gern Komplimente?

Aber ja. Mir wird gesagt, ich könne mit Sprache ganz gut umgehen.

976. An wem kannst du dir mal ein Beispiel nehmen?

Ich habe in meiner Jugend und frühen Erwachsenenzeit Mönche kennengelernt, deren Lebensform und – begeisterung mir absolut imponiert haben.

977. Wann hast du zuletzt einen Tag am Strand verbracht?

Das ist fast 4 Jahre her, mit meiner damaligen Freundin und ihrer Tochter in Hooksiel.

978. Mit wem kannst du stundenlang über Belangloses quatschen?

Es gibt einige Therapiekollegen, mit denen ich das täglich mache. Neben den Aufträgen bleibt für tiefschürfende Gespräche kein Raum. Auch sind nur wenige wirklich so konzentrationsfähig.

979. In welcher Hinsicht bist du immer noch ein bisschen naiv?

Ich bin und bleibe ein hoffnungsloser Romantiker. 😉

980. Trägst du Schmuck, der für dich einen Erinnerungswert hat?

Ja. Ich habe ein Schmuckherz meiner Mutter in meinem Geldbeutel.

Hohe Luft – Frage 7

Wo sind die Grenzen zwischen Vernunft und Unvernunft?

Sicher für mich ist, daß diese Grenzziehung nicht wissenschaftlicher Natur ist, sondern diese konventionell ist, also eine Gesellschaft im Laufe ihrer Zeit zu einer Übereinkunft gekommen ist, wie sich Vernunft messen läßt. Die Methoden, Vernunft bzw. Intelligenz festzustellen, mögen wissenschaftlich sein, doch bleibt die Beurteilung immer eingebettet in zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext. Wie also ein hoher IQ wahrgenommen und beurteilt wird, ob seine Entscheidungen also vernünftig oder unvernünftig sind, immer kontextuell.

Während man in seiner peer – group nahezu Einigkeit über Alltagsvernunft findet, kann das außerhalb der Gruppe vollkommen anders sein. Beispielsweise gilt ein Mord in meiner Gruppe als gänzlich verachtenswert, so kann in einem Umfeld von Drogenhandel ein ebensolcher als notwendiges Übel oder aber sogar als akzeptabler Weg der Überzeugung von Handelspartnern angesehen werden.

So langsam…

 

… pendelt sich mein Alltag wieder ein.

Es ist wieder gut und richtig, 6 Stunden wochentags im Alexianer-Universum getragen zu sein; freitags kommen die Kaffeerunde & unser 4-Augen-Gespräch hinzu, welche für mich seit Oktober 2014 wöchentliches Ritual und Strebe in meinem Gerüst sind.

Die letzten Wochen habe ich Ich-Zeiten und Zeiten mit und für meine enge Familie mehr Raum gegeben. Das war gut, wir sind – gefühlt – trotz unserer Entfernungen wieder näher beisammen, haben viele kleine Kommunikationen und für uns alle gilt ausnahmslos

 

Es entstanden und entstehen – gefühlt – Gespräche mit Qualitäten, die noch nie da waren. Das tut gut und zeigt mit, daß wir trotz unserer räumlichen Distanz doch eine wirklich enge Bindung haben.

Am 3. August wäre meine Mama 72 Jahre alt geworden. Dieses Jahr wird der Tag komplett anders sein, als er in den letzten Jahren gewesen ist. Waren wir an diesen Tagen bisher immer mit Freunden und Familien in meinem Elternhaus, wird es dieses Jahr anders sein. Das Haus ist leer, denn mein Vater wird bei meiner Schwester sein. Der Tag wird der Tag des Einzuges meiner Schwester in ihr neues Haus an der Ostsee sein.

Meinem Vater wird es gut tun, dort mit ihnen zusammen zu sein, ihnen bei der Einrichtung, dem Aufbau von Möbeln zu helfen. In einem Telefonat habe ich das von ihm erfahren, bin wirklich erleichtert, daß er nicht allein sein wird. Auch ich werde nicht alleine sein, denn ich habe eine Einladung zur Saisoneröffnung der Fohlen gegen den FC Chelsea bekommen.

Wichtig war mir, das meinem Vater zu erzählen und von ihm dafür den Segen zu bekommen. Den gab er mir, so wie er es auch unterstützt hatte, daß mein Schwager in den Tagen vor der Beerdigung beim Rock am Ring war.

Meine Mama schaut halt von oben zu.

Zum Ende eines anstrengenden Wochenendes….

…. höre ich sein Konzert nochmal aus der Konserve.

Ich habe ihn dort live gesehen.

Die Anstrengung bezog sich nicht nur auf das Wetter. Der bin ich durch Abdunklung und Schlafen aus dem Weg gegangen, doch blieb es gedanklich anstrengend. Viele Lieder und andere kleine Dinge wecken Erinnerungen. Sie abzuarbeiten, ist eine Aufgabe. Es bleibt immer ein Lächeln auf meinen Lippen.

Musik zum Runterfahren….

….. höre ich gerade entspannt auf meinem Sofa liegend. Auch heute – wie gestern – habe ich nur eine halbe Schicht bei den Alexianern verbracht. Das Wetter fordert mich extrem, so daß ich den Nachmittag gestern komplett und heute zum großen Teil verschlafen habe.