Planungssicherheit 2

Heute war der Tag, an dem ich nun erfahren habe, wie mein Wiedereinstieg in die Therapie gestaltet sein wird.

Unsere Zahl und unsere räumlichen Möglichkeiten machen es notwendig, daß wir in zwei Gruppen werden arbeiten müssen. So werden weit weniger Leute gleichzeitig vor Ort sein, zudem werden Risikokollegen ebenfalls noch nicht wieder anwesend sein können. Die zwei Gruppen werden im wöchentlichen Wechsel arbeiten, so daß jeder von uns möglichst ohne Überforderung in den alten, neuen Alltag zurückkehren kann. Auch was mich persönlich betrifft, gefällt mir der A/B – Rhythmus gut, denn dann habe ich in meiner freien Woche die Gelegenheit zu intensiverer Entspannung. Ich nehme nämlich an, daß die Belastung, wenn auch in kleinen 6 – Personen – Gruppen, nach der langen Pause groß sein wird – es prasselt eine Menge auf mich ein, vollkommen anders als in den letzten 6 Wochen des Lockdowns – mich einige Kraft kosten wird. Es gab die Frage an mich, ob ich die Gruppe wechseln wolle. Das habe ich abgelehnt, denn in gut 4 Wochen jährt sich der Todestag meiner Mutter, und ich muß zugeben, ich habe keine Ahnung, wie es mir dann gehen wird. Wichtig ist mir aber, die Kollegen und Gruppenleiter um mich zu haben, die darum wissen. Wechselte ich die Gruppe, wäre das nicht so, denn unser Hygieneplan sieht vor, daß wir nicht zwischen unseren Gebäuden wechseln können. Wir arbeiten in Kleingruppen, um in einem Corona – Fall eben nur die Gruppe in Quarantäne schicken zu müssen.
Ich habe diese Frage verneint, damit einige Personen vielleicht enttäuscht, aber meine Selbstsorge ist und bleibt mir wichtiger als die Befindlichkeiten anderer. Auch mein Vater kann diese Entscheidung gut nachvollziehen, steht hinter mir.

Am 4.Mai nun geht es für mich weiter, ich habe eine konkretere Perspektive.

Planungssicherheit

Heute haben wir, habe ich diese wiederbekommen. Nach den Beschlüssen der Bund – & Länder-Chefs der letzten Tage haben wir nun heute eine neue Perspektive von den Alexianern bekommen.

Wir können und dürfen damit rechnen, am 4.Mai wieder in einen regelmäßigen Therapie-Alltag zurückzukehren.

Mit Zeit &

verbringe ich heute meinen Tag.

Gerade ich meine Besorgungen erledigt und liege nun in der Sonne und genieße das.

So mag ich es.

Nächste Lektüren

Maja Lundes Band 3 habe ich in den letzten Tagen ausgelesen und widme mich jetzt Büchern zweier meiner Theologieprofessoren. Zum einen

meines Professors für Mittlere und Neue Kirchengeschichte

und zum anderen

meines Professors für Philosophische Grundfragen der Theologie

Schon während meiner Zeit an der Universität waren die zwei Herrn und ihre Themen die am besten zugänglichen, und ich habe bis heute großen Spaß daran, mich ihren herausfordernden Fragen zu stellen. Gerade jetzt habe ich meinen Kopf ausreichend frei und nutze die nicht erwartbare Zeit, noch einmal in ihre Gedankenwelten abzutauchen und Aspekte aufzutun, die in meiner Promotion eine Rolle spielen könnten.

Das mache ich mit Musik im Hintergrund, der Sonne im Rücken.

Habt alle einen entspannten letzten Ostertag.

Meine Mittel….

…. mit unserer Situation umzugehen, sind unterschiedliche.

Ich lese sehr gern und lasse mir auch Bücher vorlesen. Gerade ist es

Ich lasse es mir vorlesen während der Busfahrten und der Spaziergänge, die ich hier in der kleinen Domstadt unternehme.

liegt an meinem Bett, der 3.Teil des Umwelt-Quartetts von Maja Lunde. Sie beeindruckt mich mit ihren sachlichen Analysen und dem doch positiven Blick in die Zukunft.

Zugegeben, auch Netflix gehört zu meiner Tagesgestaltung, schon einige Miniserien und Filme habe ich für mich entdeckt, gestern aber war es, passend zum Tag

Die Umsetzung ist und bleibt die beste, die ich bisher gesehen habe.

Wie jeden Samstag war ich heute auch wieder auf dem Markt, bin von dem momentanen Platz sehr angetan, der sich auftut, weil eben zwischen den Ständen Platz geschaffen worden ist.

Ich mag diese neue Entzerrtheit.

Für heute Abend…

war diese Netflix – Mini-Serie meins. Einfach richtig gut, intensiv – die Geschichte einer jungen Frau in einer ungarisch-jüdischen Gemeinde in New York – Williamsburg, die in Berlin Ihren neuen Ort gefunden hat.

Die Erzählung einer Suche nach sich Selbst in einem ultraorthodoxen Umfeld.

Wenn ihr die Gelegenheit habt, schaut sie euch an.

Der Schacht

Selten war ich von einem Film so beeindruckt wie heute Abend – ein beeindruckendes Psychogramm des Menschen, seiner Abgründe, der Grenzen des guten Willens und des Überlebenswillen.

Rundumblick

Viele in meiner direkten Umgebung scheinen die momentane Situation – mit den bekannten Einschränkungen – für das zu halten, was Mr Big damals besang, erzwungene Einzelhaft.

Mir geht es – Gott sei Dank – anders. Ich kann mit mir allein sein und bleibe ruhig. Ich lese viel, höre viel Musik und ,zugegeben, ich schlafe viel.

Schaue ich aus meinem Fenster, sehe ich immer wieder Elternpaare, die in der Woche Zeit finden, gemeinsam mit ihren Kindern spazieren zu gehen. Das finde ich toll, gönne es ihnen. Es scheint mir eine Chance für neues Familienleben zu sein.

Meine Schwestern, beide Lehrerinnen, sind nun gemeinsam mit meinen Nichten zu Hause, gestalten mit ihnen gemeinsam den Lernstoff und ihre Tage. Mein Vater ist momentan mit und für meine Patentante tätig, hat ihre Terrassenhölzer neu gestrichen und anderes im Garten mit ihr gemeinsam erledigt.

Gestern und auch heute haben mich ungewöhnliche Anrufe erreicht, die mich sehr gefreut haben. Zum einen hat sich gestern Abend meine Doktormutter gemeldet, hat sich erkundigt, wie es mir denn gehe. Normalerweise sähen wir uns zur Mitte diesen Monats zu einem Kolloquium bei ihr, doch es wurde verständlicherweise abgesagt. Sie wollte die Sicherheit, daß ich in der verordneten Situation gut versorgt bleibe.

Ebenso geht es D., einer unserer Sozialarbeiterinnen, die mich heute Nachmittag hier in meiner Höhle anrief und mich fragte, ob ich denn mit der Situation zurechtkäme. Das konnte ich bejahen, und sie bestätigte mir, daß es eine Notgruppe gibt und auch ich mich melden kann, wenn ich meine Tagesstruktur allein nicht aufrechterhalten können sollte. Wir waren uns ebenfalls einig, daß wir wahrscheinlich nicht zum bisher festgelegten Termin in einen regelmäßigen Werkstatt-Rhythmus zurückkehren werden können. Angenommen, die Schließung der Werkstatt bleibt noch wenigstens 4 weitere Wochen bestehen, dann nähert sich der erste Todestag meiner Mutter ziemlich rasch. Für diesen Fall hat sie mir zugesichert, daß auch ich in diesen Teil meines Netzes werde fallen können.