Weihnachts-Tage

Gerade sitze ich – gemeinsam mit meinem Vater – im Zug gen Süden. Um 12 Uhr sind wir in der Hansestadt gestartet, um wieder ins Westfälische zurückzukehren.

Um es vorweg zu nehmen; die Tage im Kreise meiner Lieben waren schön, waren gemütlich und doch dieses Mal so anders. Es war das erste Weihnachten, an das ich mich erinnere, welches wir nicht in unserem Elternhaus gefeiert haben, und es war das erste Weihnachtsfest ohne unsere Oma, Mutter und Frau. Vor etwas mehr als einem halben Jahr hat sie aus eigenen Stücken – frei schreibe ich bewusst nicht – den Weg zu IHM gemacht. In der großen Runde mit meinen 5 Nichten wurde an sie erinnert, aber Gespräche über unsere komplexeren Erinnerungen kamen nur in kleineren Runden hoch, Tränen wie auch laute Lacher.

Ich mag es so wuselig, wie es mit meinen fünf Nichten und uns Erwachsenen immer wieder ist, doch habe ich ganz bewusst jeden Tag Ruhe-Pausen eingebaut, gedöst oder im leeren Haus Notwendiges erledigt, um runter zu fahren. Ich habe Glück, alle verstehen, warum ich sie brauche, mich anders verhalte, als ich es in früheren Jahren getan habe.

Therapiefreie Tage habe ich noch bis zum Dreikönigstag, werde die Zeit nutzen, liegengebliebenes abzuarbeiten, zu lesen, Musik zu hören und zu entspannen.

Hohe Luft – Frage 11

Welche Ihrer Eigenschaften nutzt Ihrem Denken?

Hat mein Alltag einen ruhigen Rhythmus, dann entspricht dem auch die Struktur meines Denkens.
Das ist Teil meiner depressiven Erkrankung – ändert sich mein Alltagsrhythmus, dann folgte dem bisher fast automatisch das Absacken meiner Alltagstauglichkeit. Entweder wurde ich wahnsinnig müde oder aber meine Konzentrationsfähigkeit sackt gegen Null ab. Seit Beginn meiner unterschiedlichen Therapien hat sich das bedeutend gebessert.

Mit meinen Tabletten, der gesetzlichen wie ambulanten Begleitung und der Tagesstruktur durch die Beschäftigung im Alexianer-Universum habe ich diesen Zusammenhang durchbrechen können. Stolz bin ich ebenfalls darauf, daß ich mit Geduld mit mir Selbst und dem Einlassenkönnen auf Ratschläge von vertrauten Menschen auf dem Weg zu einem gesunden Verhältnis von Ich – Zeit und Untereuch – Zeit bin.

Mit jahrelangem Training habe ich wieder Offenheit und Vertrauen gelernt, und die Selbstsicherheit gewonnen, Episoden wie die rund um Nique konsequent zu beenden und mir meiner Selbst bewusst zu bleiben.

I won’t …

Manche Tage haben einen leicht grauen Schleier. So heute. Nicht, daß ich missmutig wäre – im Gegenteil – doch meine Kraft hat eben Grenzen.

Deswegen lege ich heute einen Sofa – Tag ein.

Nach 4 Wochen…

… sehe ich heute meinen Vater wieder. Gerade sitze ich in einem dieser Busse, der mich ebenso schnell in meine Heimatstadt bringt, wie ich es in früheren Jahren mit dem Auto geschafft hatte. Neben der entspannteren Fahrt liegt der Vorteil heute darin, daß ich für diese Entspannung nicht einmal etwas zahlen muß; meinem Schwerbehinderten – Ausweis sei Dank.

Binnen dieser 4 Wochen hat mein Vater seine Zeit bei und zusammen mit seinem älteren Bruder in Brasilien verbracht. Er war seiner Einladung gefolgt, um nicht mit dem westfälischen Winterwetter und seinen Gefühlen zum Halbjahrestag des Gangs meiner Mama, seiner Frau allein zu sein. Selbstverständlich hatten wir in den Wochen online Kontakt miteinander – unter anderem habe ich in der Zeit immer mal wieder den Weg nach Borken gefunden, um die Post zu kontrollieren – doch ist es schon etwas völlig anderes, sich nach längerer Zeit wieder persönlich zu sehen.

Ich freue mich darauf, denn wir werden sowohl in die Vergangenheit schauen – er möchte meine Hilfe bei der Bearbeitung all‘ seiner Fotos aus Südamerika – als auch die nähere Zukunft planen. Wir werden mit Sicherheit auch über die Weihnachtsfeiertage sprechen, die Wege von und nach Lübeck planen und auch überlegen, wie lange wir bei meiner jüngeren Schwester und ihrer Familie bleiben werden.

Ich bin gespannt, wie es ihm nach den ersten Tagen allein im großen Haus geht.

Entspannt..

in den Abend und die Nacht.

Seit heute morgen um kurz nach acht Uhr war ich unterwegs, heute komplett in eigener Sache. Zunächst einmal war ich heute morgen bei Gericht, um meine gesetzliche Begleitung weiterführen zu lassen. Hatte ich schon schriftlich meinen Standpunkt erläutert, so war dieses 6 – Augen – Gespräch nach 15 Minuten beendet und die Sache in meinem Sinne entschieden.

Im Anschluss daran ging es für mich weiter zu meinen Leuten, um den Nachmittag mit ihnen zusammen zu arbeiten, Zeit zu verbringen.

Auch im Anschluss daran blieb ich heute im Alexianer-Universum, mit einer dieses Mal kleineren Gruppe haben wir uns zum Weihnachtsessen beim Mongolen getroffen, eine gute Zeit gehabt und viel gelacht.

ein schöner Tag 🤗

Rear view mirror

In den meisten Jahren meines Lebens war ich auf der schnellen Spur unterwegs, habe leider Gottes darüber mich selbst vernachlässigt, fast vergessen.

Die Zeiten in den Kliniken und die Jahre im Alexianer-Universum haben mir beigebracht, daß mein Tempo das richtige ist und bleibt, es ein Geschenk ist, wenn es jemanden gibt, der das gleiche Tempo mitgehen mag.

Im Rückspiegel entdecke ich immer noch und wieder Dinge, die ich noch immer nicht oder gerade zu verstehen beginne.

Es hilft zu mehr mir meiner Selbst bewusst sein.

Day off…

Das Wetter reisst mich heute nicht wirklich vor die Tür.

Regnerisch und stürmisch lädt es nicht dazu ein, mein Sofa zu verlassen. Um das mit dem Notwendigen zu verbinden, habe ich meine Wäsche vorgeholt und sie – begleitet von einem meiner Lieblings-YouTube-Kanäle SlappedHam – gefaltet.

Es macht mir einfach Spaß, an die möglichen Grenzen meiner eigenen Erfahrungen und gedanklichen Möglichkeiten zu gehen.

Hohe Luft – Frage 10

Welche Ereignisse in ihrem Leben haben Sie freier gemacht?

Um mir um diese Frage Gedanken machen zu können, muß ich mir erst einmal darüber klar werden, was mit dem Begriff frei gemeint sein kann.

Für mich bedeutet frei körperlich und gedanklich nicht eingeschränkt zu werden und zu sein. Daß diese Frage mich heftiger und anders angeht als andere, liegt eben daran, daß ich aufgrund meiner körperlichen Konstitution gehandicapt bin, vielmehr aber lange Jahre gehandicapt wurde.

Wenn ich hiervon ausgehe, dann war mein Abschied aus der Leistungsgesellschaft das Ereignis, welches mich frei gemacht hat. Ja, es war der Fall in die Tiefe Depression und all‘ das, was mich frei gemacht hat.

Es hat mich frei gemacht, mit einem Lächeln aufzuwachen, meinen Tag im Alexianer-Universum zu verbringen, nette Leute und meinen Schatz um mich zu haben, Kraft zu investieren und abends erschöpft, aber zufrieden und wiederum lächelnd ins Bett zu fallen. Konnte ich vielleicht im meinem ersten Job Geld für manchen Luxus nutzen und damit vermeintlich prahlen, so bin ich heute zufrieden und glücklich, einen vollen Kühlschrank zu haben und etwas Handgeld für meine Hobbies, sei es das Lesen, das Zeichnen oder die Musik.

Die Maske fällt….

Gegenüber Nique ändere ich mein Verhalten, schlage vollkommen andere Töne an, will Dinge zurück, die ich ihr vorgestreckt und geliehen habe.

Ich habe es mir gespart, auf ihre Vorstellung von Freund in irgendeiner Weise einzugehen, für sie ist es offenbar normal, Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und dann noch Beifall dafür zu erwarten.

Daß ich mich in ihre geschauspielerte – das ist mir nun mehr als klar – Fassade verliebt hatte, das kann und will ich nicht leugnen, doch der kaputte und sich selbst zerstörende Inner Part wiedert mich immer heftiger an.

Ihre Selbstcharakterisierung aus der letzten Zeile, nun ja, da mag man geteilter Meinung sein. Es tat auf jeden Fall gut, das an richtiger Stelle los zu werden. Mein Druck ist raus und ich wieder entspannt.

… 2 tell & explain…. Nachvollziehbar?

Nique habe ich vor knapp 2 Jahren bei facebook gefunden.

Ich bin interessiert an Musik und teile diese auch gern. Das mache ich eben hier und in einer fb- Gruppe. Diese wurde vor einigen Jahren eben von Nique gegründet, hat den Namen Das musikalische Irrenhaus, und wurde zu einem Ort, an dem ich meine Musik teilen und Kontakte knüpfen konnte und kann. Zugegeben, die meisten werden online bleiben, doch der zu Nique wurde persönlich.
Wir trafen uns am ersten Wochenende im August, dem Wochenende, an dem meine Mama ihren 72. Geburtstag hätte feiern können. Sie hat sich entschieden, zwei Monate vorher zu IHM zu gehen. Meine jüngere Schwester ist mit ihrer Familie an diesem Wochenende an die Ostsee umgezogen, meine ältere Schwester war zum Familienurlaub an der holländischen Nordsee, mein Vater war zum Umzug ebenfalls in der Ostsee- Stadt. Unser Haus war an diesem Wochenende komplett leer. Ich habe mich also entschieden, die Einladung zum Freundschaftsspiel M’Gladbach – Chelsea FC anzunehmen.

Zu dieser Gelegenheit habe ich Nique das erste Mal persönlich getroffen.

Schon zu dieser Gelegenheit war mir noch mehr als schon aus unseren Telefonaten klar, daß die Situation nicht haltbar war, und ich habe mich entschieden, ihr bei der Wohnungssuche zu helfen. Es war mir schnell gelungen, eine möblierte Bleibe zu finden. Hier habe ich davon geschrieben. Schon damals war mir klar, daß sie weitere Hilfe würde brauchen. So ist es eben dazu gekommen, daß ich weitere Zeit in sie investiert habe. Ich habe für sie den Umzug mitorganisiert und den damit verbundenen Behördenkram erledigt, war dafür vor Ort, fühlte und fühle mich nicht mehr ernst genommen. Das hat soweit geführt, daß ich nun den Kontakt einschlafen lassen werde, einen Strich drunter mache.

Vom letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, habe ich bisher nichts aus mir rausgeschrieben. Der tropfte beim letzten Treffen auf die gespannte Wasseroberfläche. Nicht nur, daß sie bei unserem zweiten Treffen  – ich lag im Nebenzimmer – mit ihrem Vermieter gepoppt hat, weil sie glaubt, sich so Unterstützung sichern zu müssen, nein, sondern behauptet das gleiche bei unserem letzten Treffen und – tadaa – poppt stockbesoffen ihren 19 – jährigen Nachbarsjungen auf dem Sofa, während ich die gleiche Position wie beim letzten Mal hatte – im Nebenzimmer im Bett.

Dem ganzen die Krone aufgesetzt hat sie allerdings am nächsten Morgen, als sie mich aus dem Bett holt, mich zum Amt schickt – dazu sei ich ja schließlich auch vor Ort, haut sie mir um die Ohren – und sich selbst wieder schlafen legt. Nach zwei Stunden Schlaf war ich nicht in der Lage, Position zu beziehen, habe also das Notwendige mit dem Nützlichen verbunden und so die Busfahrten zum Schlafen genutzt, um das möglichste für sie zu erreichen. So wenig Schlaf hatte ich, weil sie mir, nachdem der Welpe gegangen war, noch zwei Stunden die Ohren vollgeheult hat, daß er doch jünger als ihr Sohn sei. Wieder zurück, war sie, so schien es ihr wohl, wieder klar, machte mir deutlich, daß ich auch genauso gut hätte schlafen können, es würde eh nichts bringen, und sie stellte im Brustton der Überzeugung fest, ihr ginge es doch gerade so scheiße, daß sie sich doch wenigstens den Welpen hätte gönnen dürfen. Ich solle dazu doch nichts sagen. Offenbar war es genug, daß ich ihr Leben organisiert hatte und als Mülleimer diene.

 

Mir reicht’s!!