Hohe Luft – Frage 8

Warum begreifen wir manches nie?

Um Dinge begreifen zu können, ist ein Zugang notwendig. Dieser wiederum hat unterschiedliche Bedingungen zur Voraussetzung.

Erste Bedingung ist die menschliche Begrenztheit, unabhängig von der individuellen Intelligenz.
Der Mensch ist eben in der Lage, in vier Dimensionen sinnvoll und intuitiv zu denken, Strecke, Fläche, Raum und Zeit, mehr nicht. Abstrakt läßt sich auch in n Dimensionen denken, doch ist die Gruppe von Personen, die dazu in der Lage ist, exklusiv.

Dieser Grundgedanke der Exklusivität findet sich in leicht abgewandelten Formen in unterschiedlichsten Alltagszusammenhängen. Darüberhinaus kommen mir noch zwei weitere Aspekte in den Sinn, die in Zusammenhang mit Talent und Disziplin stehen.

Das Gleichnis von den Talenten

14 Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.

15 Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort

16 ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu.

17 Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu.

18 Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

19 Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen.

20 Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.

21 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

22 Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.

23 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

24 Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast.

25 weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine.

26 Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.

27 Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

28 Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!

29 Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

30 Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

In diesem, noch einigermaßen geläufigen Gleichnis werden Grundwahrheiten benannt, die meiner Meinung nach auch Bedeutung bekommen bei der Antwort auf diese Frage.

Talente werden nicht erworben, ich sehe sie als Geschenk von IHM. Woher sie kommen, mag jeder für sich selbst deuten, doch ist es ja offensichtlich, daß jede/r eine andere, eben eine eigene Ausstattung bekommen hat. Ebenso individuell ist die jeweils eigene Art des Umgangs mit den eigenen Talenten. Ist eines kaum oder gar gar nicht ausgeprägt, lässt es sich möglicherweise durch Training und damit verbundener Disziplin nutzbar machen und gewinnbringend einsetzen.

Diesen Zusammenhang sehe ich analog auch beim Wissenserwerb. Manches ist einem sehr leicht zugänglich – mir z.B. Fremdsprachen – anderes bleibt einem immer böhmisches Dorf. Ich bewege mich durch die Chemie bis heute wie in einem ebensolchen. 😉 Im Normalfall bewegt sich jeder von uns in allen Bereichen zwischen diesen Extremen und ist in der Lage, sich auf dieser Erkenntnisleiter nach oben zu bewegen, je nachdem, welchem der Diener wir es gleich tun. Der Erfolg liegt hier in der eigenen Hand.

Anders verhält es sich mit dem kulturellen Zusammenhang, in den jeder von uns hineingeboren wird. Dabei denke ich sowohl an den privaten wie auch den öffentlichen Zusammenhang.

Im privaten Zusammenhang finden sich meiner Meinung nach die enge wie weitere Familie und ihre Bräuche und Rituale. Darüber hinaus ordne ich diesem Zusammenhang auch Schule, Beruf, Freundes- & Bekanntenkreis zu, denn in allen Situationen entstehen mehr oder minder intensive persönliche Kontakte. Ich teile mit all‘ jenen Personen einen breiten Erfahrungshorizont, dessen Grundüberzeugungen sehr nah beieinander liegen. Erst das macht einen gemeinsamen, nicht allzu konfliktträchtigen Alltag miteinander möglich. Schon in diesem noch gerade übersichtlichen Feld können Konflikte entstehen, die Arbeit und manchmal Hilfe von außen notwendig machen.

Ungleich größer wird dieses Risiko, wenn Einzelpersonen oder Gruppen aufeinander treffen, deren private Zusammenhänge kaum oder gar keine Überschneidungspunkte haben. Daraus entstehen zwangsläufig Konflikte unterschiedlichster Intensität, die soweit führen können, daß ein gemeinsamer Alltag nicht möglich wird.

Dann und darum verstehen wir manches nie.

Schlußendlich entscheidend bleibt aber:

Bin ich offen und bereit, etwas neues, mir völlig fremdes, überhaupt verstehen zu wollen?

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