Regelmäßigkeit

Sie ist mir im Moment eine große Stütze.

Jeden Morgen zu wissen, ich kann wieder zu meinen Leuten, an meinen Platz unter der Gruppe, die – im positiven Sinne – ein wenig bluna sind, tut mir unglaublich gut. Die Gedanken an meine Mutter, an meine Familie beschäftigen mich immer – sie ziehen mich nicht runter, doch kosten sie mich Kraft. Wie in den ersten Tagen danach, bin ich dahin zurückgekehrt, gute acht Stunden statt der vereinbarten 6 Stunden, dort zu sein. Das Leben dort, die unterschiedlichen Charaktere meiner Therapiekollegen, ihre Schrullen und die positiven Rückmeldungen für das, was ich dort tue und wer ich bin, sind für mich eine wichtiger Teil meines Gerüstes.

Ich habe einen guten Draht zu den wenigen Schwerstmehrfachbehinderten in unserer Gruppe, sie springen irgendwie auf mich an und lassen sich von mir in den Arbeitsablauf einbinden, motivieren und haben Spaß an dem, was wir miteinander schaffen. Das wird mir honoriert – mein Gruppenleiter hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, in der Fördergruppe ein Praktikum zu machen.

Die Idee reizt mich zwar, doch der Respekt davor bleibt. Gerne unterstütze ich meine Kollegen, doch sehe ich das Risiko, daß ich in der Begeisterung dafür kippen könnte, erst recht dann, wenn die Unterstützung zur Arbeit meine vorrangige Sache werden muss.

Das mag ich nicht. Die Regelmäßigkeit unserer Aufgaben ist mir noch zu bedeutsam.

Mein Sofa…

habe ich heute nur für ein wenig Hausarbeit verlassen, im Hintergrund lief immer Musik, auch:

Nun schaue ich den Polizeiruf 110 und starte morgen entspannt in die neue Woche.

Ritual….

….ist mir mein Freitag Mittag seit 2014 geworden. Nach meinem Therapietag treffe ich regelmäßig meine ambulante Begleiterin, die zum BeWo der Alexianer gehört.

Wir nehmen uns 45 – 60 min Zeit, die letzten sieben Tage Revue passieren zu lassen. Zu allererst lasse ich es einfach sprudeln, das, was mich in meiner Arbeits-, Therapie- und privaten Woche bewegt, berührt und auch mal geschockt und geärgert hat. Versteht sie etwas nicht auf Anhieb, stellt sie passende Fragen, lenkt meinen Bericht.

Ich habe nach diesen Gesprächen das Gefühl, die Woche abgelegt zu haben, Druck, der zurückgeblieben war, ablassen zu können. Das macht es mir möglich, in den Dingen, die mir am Wochenende begegnen und geschehen, Entspannung zu finden.

Sei es, daß ich über den Wochenmarkt streife, um dort zu Mittag zu essen, sei es, daß ich tatsächlich schlafe oder sei es – wie letztes Wochenende – der Besuch bei Freunden und die Zeit mit ihnen, ich finde darin Ruhe und wirkliche Entspannung.

Auch Ruhe bringen mir immer wieder Ich-Zeiten, die ich für mich gestalte, sei es lesend, Fahrrad fahrend oder auch Gelegenheiten, zu denen ich bewußt entscheide, jemanden in meine Welt hinein zu lassen, so wie gestern, mehrere Stunden Messenger- & WhatsApp- Gespräch. Umso schöner ist es, wenn auch mir eine Tür geöffnet wird.

Danke, Chef.

Das Musikalische Irrenhaus….

…. ist eine Facebook-Gruppe, in der ich seit einiger Zeit gerne und viel aktiv bin. Schon seit mehreren Jahren existiert sie.

Warum erzähle ich das?

Ich erzähle und schreibe es hier auf, zum einen,weil sie für euch vielleicht auch interessant ist, zum anderen, weil ein Teil der Gruppe am letzten Wochenende für mich ganz wichtig war und bleiben wird.

Der 3.August wäre der 72. Geburtstag meiner Mama gewesen, und ich hatte Angst, über diesen Tag allein zu sein. Diese Angst hatte ich aber nicht nur um mich, sondern insbesondere um meinen Vater.

Der Fortgang des Lebens hat dazu geführt, daß er bis heute und noch einige Tage beim Umzug ins und der Renovierung des neuen Hauses meiner Schwester in Lübeck aktiv sein kann und Leben um sich hat.

Meine ältere Schwester war über das Wochenende bereits in ihren Familienurlaub an der holländischen See gestartet, so daß ich am Freitag nach der Kaffeerunde per Zug an die Mosel starten konnte.

Sie wohnen gemeinsam in einer WG. Wir haben uns jetzt das erste Mal getroffen, Gespräche begonnen, noch längst nicht beendet,Musik gehört, selbst gemacht und Projekte besprochen und gestartet.

Gemeinsam Gladbach – Chelsea zu sehen, zu kochen, zu lachen, zu singen und auch zu schweigen – das war ein guter Weg, den Geburtstag meiner Mutter zu begehen.

Ich habe mich wohl und gut aufgehoben gefühlt.

Hohe Luft – Frage 8

Warum begreifen wir manches nie?

Um Dinge begreifen zu können, ist ein Zugang notwendig. Dieser wiederum hat unterschiedliche Bedingungen zur Voraussetzung.

Erste Bedingung ist die menschliche Begrenztheit, unabhängig von der individuellen Intelligenz.
Der Mensch ist eben in der Lage, in vier Dimensionen sinnvoll und intuitiv zu denken, Strecke, Fläche, Raum und Zeit, mehr nicht. Abstrakt läßt sich auch in n Dimensionen denken, doch ist die Gruppe von Personen, die dazu in der Lage ist, exklusiv.

Dieser Grundgedanke der Exklusivität findet sich in leicht abgewandelten Formen in unterschiedlichsten Alltagszusammenhängen. Darüberhinaus kommen mir noch zwei weitere Aspekte in den Sinn, die in Zusammenhang mit Talent und Disziplin stehen.

Das Gleichnis von den Talenten

14 Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.

15 Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort

16 ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu.

17 Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu.

18 Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

19 Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen.

20 Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.

21 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

22 Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.

23 Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

24 Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast.

25 weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine.

26 Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.

27 Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

28 Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!

29 Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

30 Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

In diesem, noch einigermaßen geläufigen Gleichnis werden Grundwahrheiten benannt, die meiner Meinung nach auch Bedeutung bekommen bei der Antwort auf diese Frage.

Talente werden nicht erworben, ich sehe sie als Geschenk von IHM. Woher sie kommen, mag jeder für sich selbst deuten, doch ist es ja offensichtlich, daß jede/r eine andere, eben eine eigene Ausstattung bekommen hat. Ebenso individuell ist die jeweils eigene Art des Umgangs mit den eigenen Talenten. Ist eines kaum oder gar gar nicht ausgeprägt, lässt es sich möglicherweise durch Training und damit verbundener Disziplin nutzbar machen und gewinnbringend einsetzen.

Diesen Zusammenhang sehe ich analog auch beim Wissenserwerb. Manches ist einem sehr leicht zugänglich – mir z.B. Fremdsprachen – anderes bleibt einem immer böhmisches Dorf. Ich bewege mich durch die Chemie bis heute wie in einem ebensolchen. 😉 Im Normalfall bewegt sich jeder von uns in allen Bereichen zwischen diesen Extremen und ist in der Lage, sich auf dieser Erkenntnisleiter nach oben zu bewegen, je nachdem, welchem der Diener wir es gleich tun. Der Erfolg liegt hier in der eigenen Hand.

Anders verhält es sich mit dem kulturellen Zusammenhang, in den jeder von uns hineingeboren wird. Dabei denke ich sowohl an den privaten wie auch den öffentlichen Zusammenhang.

Im privaten Zusammenhang finden sich meiner Meinung nach die enge wie weitere Familie und ihre Bräuche und Rituale. Darüber hinaus ordne ich diesem Zusammenhang auch Schule, Beruf, Freundes- & Bekanntenkreis zu, denn in allen Situationen entstehen mehr oder minder intensive persönliche Kontakte. Ich teile mit all‘ jenen Personen einen breiten Erfahrungshorizont, dessen Grundüberzeugungen sehr nah beieinander liegen. Erst das macht einen gemeinsamen, nicht allzu konfliktträchtigen Alltag miteinander möglich. Schon in diesem noch gerade übersichtlichen Feld können Konflikte entstehen, die Arbeit und manchmal Hilfe von außen notwendig machen.

Ungleich größer wird dieses Risiko, wenn Einzelpersonen oder Gruppen aufeinander treffen, deren private Zusammenhänge kaum oder gar keine Überschneidungspunkte haben. Daraus entstehen zwangsläufig Konflikte unterschiedlichster Intensität, die soweit führen können, daß ein gemeinsamer Alltag nicht möglich wird.

Dann und darum verstehen wir manches nie.

Schlußendlich entscheidend bleibt aber:

Bin ich offen und bereit, etwas neues, mir völlig fremdes, überhaupt verstehen zu wollen?