1000 Fragen an mich Selbst – Part LXXXVIII

 871. Lässt du dich manchmal ausnutzen?

Ja, das war lange Jahre der Fall, der extremste Fall hat ich mich in die Privatinsolvenz gebracht.

872. Hörst du oft Radio?

Täglich während der Therapie – wenn nicht irgendwer seine private Playlist per Bluetooth –  Box abspielt.

873. Was ist schlimmer: zu scheitern oder es gar nicht erst versucht zu haben?

Scheitern ist alltäglich –  damit umgehen zu lernen, bleibt Aufgabe das gesamte Leben lang. Keine Versuche zu wagen, ist sträflich.

874. Was hätten die anderen nie von dir erwartet?

Meine Entscheidung für die Theologie haben viele nicht erwartet,  manche verstehen sie bis heute nicht.

875.  Auf welchen Feiertag freust du dich jedes Jahr?

Feiertage sind für mich immer Familientage – nach einem Gottesdienst an Ostern, Pfingsten und Weihnachten fahre ich zu meinen Eltern; dort treffen wir uns alle gemeinsam.

876.  Welche Farbe würdest du deinem Leben zuordnen?

Orange – eine ganz spontane Intuituion. Sie wirkt auf mich warm, vertraut, aber ebenso birgt sie einen Hinweis auf Risiko, der Rot- Anteil erinnert mich daran.

877. Wer beschützt dich?

ER – ich  glaube an IHN und habe in meinem bisherigen Leben schon einige  Situationen nur überstanden, weil ich mir SEINER Unterstützung sicher war und bin.

878. Betrachtest du manchmal die Sterne am Himmel?

Regelmäßig – ich mag es sehr, in sternenklaren, kalten Nächten draußen spazieren zu gehen und die Weite mit ihren so klein wirkenden Lichtern zu genießen.

879. Wovon wirst du ruhig?

Gebete – Gespräche mit IHM und SEINER Mutter – beruhigen mich ungemein. In Taizé habe ich auch gelernt, Schweigen können als Geschenk anzunehmen.

880. Kannst du Stille gut aushalten?

Ja – wie gerade schon geschrieben, habe ich diese Erfahrung in Taizé kennen und schätzen gelernt. Es ist eine tolle Form, mich auf mich Selbst einzulassen.

Hohe Luft – Frage 5

Warum haben wir jederzeit weniger Zeit?

 

Ich bin überzeugt davon, daß es ein Überangebot gibt, in so gut wie jedem Bereich. Selbstverständlich ist es gut, breit aufgestellt zu sein, sei es im beruflichen wie auch im Freizeitbereich. Darüberhinaus führt die Professionalisierung der Freizeit dazu, daß jede Kleinigkeit eine Art Absolutheitsanspruch zu entwickeln scheint.

Als ein Beispiel dafür fällt mir – aus eigenem Erleben in meiner Jugend – das Pfeilewerfen vor die Füße. Ich war in der Oberstufe und habe mit einer Hobby-Mannschaft in einer regionalen Liga um Meisterschaften geworfen. Um an die Pfeile, Spitzen und sonstiges Zubehör zu kommen, mußte man noch arg suchen, in meiner Heimatstadt gab es 1995 einen Hinterhofladen. Und heute? Da ist das Geheul groß, wenn nicht jede Minute der Weltmeisterschaft aus dem AllyPally in London übertragen wird; in jedem besser sortierten Supermarkt findet sich heute ein Display mit einer soliden Grundausstattung.

So wie es für Darts immer mehr zu finden ist, so ist es für viele andere Hobbies ebenfalls, so daß neben dem Supermarkt als Allesanbieter eine große Menge an Fachgeschäften und eben das Internet als Allesort um die potentiellen Kunden konkurieren. Nun ist natürlich der Dartsport eine von einer nur schwer zu überblickenden Zahl an Alternativen. Das bedeutet, daß nicht nur ich, sondern jeder um mich herum, mit einer Unmenge an Reizen überfordert und – trotz dem man zu einer Clique gehört – gefordert, seine Zeit zu organisieren. Das ist schon kompliziert genug, doch die ständige Erreichbarkeit untereinander, die gegenseitigen Wünsche an Freunde und Freundschaften sowie die Notwendigkeit, Arbeit und Freizeit für sich zu organisieren, steht erstmal fest, daß jeder von uns immer weniger Zeit hat. Einen der Gründe habe ich bereits benannt – das Überangebot an Freizeitalternativen – doch für wichtiger halte ich, zu benennen, daß viele auch aus ihrer Freizeit einen kräfteraubenden Wettbewerb machen zu  müssen glauben und – unterm Strich – Entspannung bei  vielen mehr oder minder auf der Strecke bleibt.

Genau diese Erfahrung habe ich auch während des Studiums machen müssen – die Erwartung, neben dem Studienalltag mit den Hausarbeiten und Prüfungen, dem normalen social life auch schon möglichst viele potentielle Berufseinstiege zu ebnen. Schaffen die meisten das – zumindest von außen beurteilt,  offenbar relativ unbeschadet, so war es bei mir anders. Ich hatte deswegen irgendwann kaum noch Zeit für mich, genaugenommen keine Zeit, neben Studentenjob und dem oben genannten auch noch Ruhe zu finden. Erst nach 12 Jahren –  mit dem Start in die stationäre Therapie – habe ich meinem Ich, dem neben der Disziplin und vermeintlichen Pflichterfüllung, Raum gegeben und neu Leben gelernt – mein Leben gelernt, das nicht in die normalen Muster passt. Ich habe aufgehört, den vermeintlich idealen Gruppenerwartungen zu genügen, ich bin auf meinem Weg zu mir. Das bringt eine Menge Zeit zurück.