Schon heute …

… habe ich mein Wochenende begonnen. Irgendetwas steckt mir in den Knochen. Bis kurz vor Anpfiff des zweiten Halbfinales habe ich heute geschlafen nach Therapieende, werde auch morgen und am Freitag meinen Körper ansagen lassen, wie meine Tage ablaufen werden. Auf jeden Fall habe ich abgesehen von einem Routine – Zahnarzt – Termin keine weiteren konkreten Pläne gemacht und werde auch weiteren Verpflichtungen möglichst ausweichen.

Mich beschäftigt in den letzten Wochen die Gesundheit meiner Eltern. Sie sind mit ihren 70 Jahren im großen und ganzen fit, doch so langsam häufen sich kleine Wehwehchen, denen sie leider auch mit ihrer großen Aktivität (Fahrrad fahren, Wandern, lange Spaziergänge, etc) nicht mehr komplett entgegentreten können. Insbesondere meine Mutter kann den Folgen der bäuerlichen Feldarbeit in den 50er und 60er Jahren nicht mehr ausweichen. Als Schwester von 5 jüngeren Brüdern war sie mit ihrer älteren Schwester zugleich auch für deren Beaufsichtigung selbstverständlich zuständig, meine Großeltern waren ja noch wesentlich mehr auf den Feldern und in den Kuh- und Schweineställen eingebunden. Meine Eltern haben die erste Gelegenheit genutzt, meiner Mutter Erleichterung zu schaffen – sie sind gemeinsam in die kleine Domstadt gezogen – mein Vater hat auf Lehramt studiert, in einer Bäckerei gearbeitet und meine Mutter in einem Fotogeschäft. Während der Semesterferien hat mein Vater zusätzlich im einer Torf – Ziegelei malocht; seine Eltern standen einem Studium vollkommen ablehnend gegenüber. Mein Onkel und er haben sich ihre Studien komplett selbstfinanziert. Deswegen habe ich vor den Leistungen meiner Eltern großen Respekt, gestehe ihnen die kleinen Wehwehchen zu und bin ihnen unglaublich dankbar, daß sie meinen Schwestern und mir den Einstieg in das selbständige Leben so weitgehend unterstützt haben.

Vor diesem Hintergrund war es für mich selbstverständlich, in meinen Schulferien zu arbeiten – damals noch nicht so reflektiert, sondern mit dem Wunsch, erste größere Anschaffungen stemmen zu können. Nach meinen 4 Jahren Verwaltungskarriere war es dann selbstverständlich, neben meinen Vorlesungen einen Job anzunehmen. Ich wollte meine Eltern finanziell nicht über Gebühr strapazieren. Das ist mir gelungen solange, wie ich die sicherlich vorhandenen Signale der Überforderung vollkommen ignoriert habe. Eine erste Runde durch eine schwere depressive Episode 2007 habe ich noch irgendwie ohne Behandlung durchgestanden, bin auch im Studium einen großen Schritt noch vorangekommen (die erste Promotionsarbeit war fertig niedergeschrieben), so ist es ab 2011 dann in die  lange depressive Phase gemündet, um deren Umgestaltung ich mich bis heute bemühe.

Ich bin glücklich, in meiner Familie soviel Rückhalt zu haben, denn eine Depression ist nicht nur für mich, sondern für mein gesamtes Umfeld eine Herausforderung, mit dem Leben neu umgehen zu lernen; vielleicht so, wie sie es mit Klassikern machen?

 

 

Veröffentlicht von

Ed

Mittlerweile viel näher am ICH als erstes und zweites Leben mich bringen konnten. Herzlich Willkommen im Dritten

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